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Der Ort Valras-Plage verdankt seinen Namen verschiedenen historischen Funden, darunter einem Grabhügel vor dem heutigen Friedhof, oder die Überreste menschlicher Siedlungen wie der Villa Juxta Mare („die Reinheit des Wassers“) von Valerius, einem Veteran der Siebten Legion. Ihm soll Valras-Plage seinen Namen verdanken.
Andererseits bedeutet der Begriff „Valras-Plage“ im Patois, einem südfranzösischen Dialekt „flaches Gebiet, flaches Tal“. Vor 1123 Jahren, am 15. Dezember 878, verkaufte der Bischof von Girona Valras-Plage und sein Umland für 180 Sols (entspricht etwa 10 Euro) an den Bischof von Béziers.
Man nimmt an, dass die Besiedelung des Ortes erst mit der Einrichtung von örtlichen Zollstationen zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann. Einen Teil seiner Existenz verdankt Valras-Plage außerdem dem Fluss Orb, da seine Mündung zunächst als Fischereihafen diente. Die Fischer arbeiteten dort während des Sommers und lebten in ärmlichen Unterkünften. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließ sich eine kleine Gemeinschaft von Fischern dauerhaft in Valras-Plage nieder. Als Wahrzeichen ihres Zusammenschlusses und ihres „Dorfes“ bestimmten sie das Seepferdchen. Ab diesem Zeitpunkt errichteten einige Grundbesitzer kleine Handelsstützpunkte.
Valras-Plage als Badeort
Badeorte sind während des Zeitalters der Restauration in Frankreich (19. Jahrhundert, unter anderem angeführt von der Duchesse de Berry) absolut in Mode. Auch Valras-Plage ist damals bei den Touristen sehr gefragt, welche sich Heilung von Hautkrankheiten oder eine Stärkung des Immunsystems erhoffen. Der Bau einer Eisenbahnlinie im Jahr 1846 lässt bald immer mehr Badegäste nach Valras-Plage kommen. Ab 1855 kommen auch die Bewohner der Orte Béziers und Sérignan in den Badeort. 1901 fährt die erste elektrische Straßenbahn und es gibt immer mehr Hotels, Landhäuser und Cafés.
Nachdem Valras-Plage jahrelang der Gemeinde von Sérignan angehört hatte, wird es am 18. Februar 1931 mit der Bildung eines eigenen Gemeinderats zu einer eigenständigen Gemeinde. In den folgenden zehn Jahren sind das Erarbeiten von Bebauungsplänen und dem Wasserleitungssystem die prioritären Ziele der Gemeindeleitung. Der Ort wird t-förmig angelegt, die Verbindungsstraße ins Hinterland bildet zugleich die Hauptstraße. Valras-Plage erstreckt sich auf eine Fläche von 234 Hektar, 2751 Hektar der ursprünglichen Ausdehnung wurden als Gegenleistung für die Unabhngigkeit des Ortes an Sérignan abgetreten.
Beliebtes Ziel für den Sommerurlaub
Mit Einrichtung des bezahlten Urlaubs im Jahr 1936 wird das Ausüben von Sportarten immer beliebter (Gymnastik oder die so genannten Joutes, Bootswettkämpfe auf dem Fluss Orb, bei denen es darum geht, die Besatzung des gegnerischen Bootes mit Stangen ins Wasser zu stoßen). Auch nach Valras-Plage kommen viele, um sich zu erholen, manchmal für einen oder zwei Monate. Das im Jahr 1918 eröffnete Casino bietet mit seinen Spieltischen und verschiedensten Veranstaltungen angenehmen Zeitvertreib und verleiht Valras-Plage den Glanz eines Luxusbadeortes. 1982 wird das Casino jedoch geschlossen, als ein Blitzschlag das pyramidenförmige Dach zerstört.
Das aktuelle Casino wird im Jahr 1993 unter der Leitung der Groupe Tranchant erbaut, einer französischen Architektengruppe, die auf den Bau von Casinos spezialisiert ist. Das neue Gebäude beherbergt zwei Säle mit Spieltischen und Automaten, ein Restaurant, eine Bar und eine Diskothek. Jede Woche werden dort Bälle veranstaltet und besondere Diners, begleitet von Tanz, Gesang und Theatervorstellungen. Das Programm hierzu ist im Touristenbüro erhältlich.
Der Hafen
Im Laufe der Jahre wird aus dem alten Fischereihafen des Ortes ein Yachthafen, erweitert im Jahr 1960 (250 Boote). Das Schnellboot « Raymond Crouzat » SNS 212, welches gleich gegenüber der Hafenverwaltung vertäut liegt, gleicht in keinster Weise mehr seinem Vorgänger, dem Stechkahn "L'Amiral Zédé". Dieses 9,10 Meter lange und 2,60 Meter breite Boot war auf Antrag der Gemeinde und der Fischer gekauft worden, und wurde am 15. Oktober 1933 eingeweiht. Es wurde in der Rettung Schiffbrüchiger bis ins Jahr 1962 eingesetzt, als der erste motorisierte Stechkahn, „Lieutenant de vaisseau de Chauliac“, auf den Markt kam. Seit 1982 sorgt nun schließlich unser jetziges Boot und seine fünfundzwanzigköpfige, ehrenamtlich arbeitende Besatzung für unsere Sicherheit.
Von allen Bergungen, die seit der Gründung der Société Centrale de Sauvetage des Naufragés (Zentrale zur Rettung Schiffbrüchiger) in der See durchgeführt wurden, ist den Bewohnern von Valras-Plage die Bergung des Frachters Mimosas in Erinnerung geblieben, der 1978 auf den Strand von Vendres aufgelaufen war. Noch heute kann man die aus dem Wasser ragenden Ladebäume sehen.
In Valras-Plage befindet sich außerdem noch der Hafen Jean GAU, am Fluss Orb gelegen. Der Namensgeber des Hafens wurde 1902 in Sérignan geboren und hat dem Yachtsport zu Ruhm verholfen, da er als Erster allein den Atlantik über- querte, mit seinem Boot „L’ATOM“, welches zur damaligen Zeit von vielen besichtigt wurde.
Der Fischfang , eine traditionelle Tätigkeit
Das Meer ist voller Reichtum, angefangen von kleineren Tieren, wie zum Beispiel den Sardinen, bis hin zu den grossen Fischen, wie zum Beispiel dem Thunfisch. In Valras kann man bei unseren Fischhändlern alle möglichen Fisch- und Muschelarten finden: Seebohnen, Messer, Venusmuscheln, Teppich- muscheln, Sardinen, Makrelen, Rotbarben, Seezungen, Tintenfische, Goldbrassen, Seebärsche usw...
Die Fischerei war eines der Hauptbetriebsamkeiten der Stadt Valras. Zu unterscheiden die verschiedenen traditionellen Techniken des Fischens, die hier in der Gegend ausgeführt werden:
- Das „blaue“ Fischen: die Sardine, die Makrele und der Thunfisch werden gefischt.
- Das Fischen mit Schlepptau: am linken Flussufer wird das Netz mit einer Entfernung von 200m zum Ufer ausgeworfen, und dann langsam mitsamt seinem Inhalt zum Strand hin eingeholt. Früher erfolgte das Einholen der Netze alleine anhand der Muskelkraft der Fischer, heute jedoch wird der grösste Teil der Arbeit mit dem Traktor verrichtet.
- Das Fischen mit Fischerlaterne: damals noch erlaubt, handelte es sich um die Zusammenarbeit eines Schiffes mit einem Boot. Das Boot fixierte einen Schwarm Fische mit Hilfe einer grossen Lampe an, damit das Schiff diesen Schwarm mit dem Netz einfangen konnte.
- Das Fischen im Orb: hierzu gibt es neue Reglementierungen.
Mit dem Zunehmen des Tourismus und den Schwierigkeiten der Metiers in Valras, können wir eine klare Abnahme der Anzahl der Fischer erkennen:
1973-> 75 Seemänner, davon 52 Prinzipalfischer
1990-> 47 Seemänner, davon 17 Prinzipalfischer
2007-> ein Zehner an Prinzipalfischern
Die Katalanen (typisches Boot aus dieser Epoche, die „Pierrette“ - ein Überbleibsel das als Ausflugsschiff benutzt wird), die Barren und die Thonellen machten Platz für die Yachten im heutigen Hafen.
Die Anzahl der Fischer hat ebenfalls deshalb abgenommen, da es nur noch wenige Berufsfischer gibt. Hier sagt man, sie führen eine „niedere Tätigkeit“ aus.
Sie fischen von ihrem Boot aus, mit einem Fischernetz oder „à la pièce“ (am Stück), wo es hauptsächlich darum geht, die Netze richtig auszulegen, je nach Wetterlage oder der gewünschten Fischart.
Ausserdem fischen sie mit Hilfe ihrer Netze auch in mehreren hundert Metern Tiefe auf dem Meeresgrund nach einer der überhaupt köstlichsten Meeresschnecken, der Stachelschnecke.
Alle Meeresfrüchte und Fische werden täglich frisch in den Hallen in der Fussgängerzone verkauft, und auch in den Restaurants in Valras.
An den Kiosken neben dem Fremdenverkehrsamt werden gegen 16.00 Uhr ebenfalls Muscheln verkauft.
Die Ureinwohner:
Valras hat sich aufgrund der Nachfrage im Tourismus sehr verändert. Es ist aber heute immer noch möglich, einige aus dem 19. Jahrhundert stammende Fischerhäuser zu finden. Schilfhütten, und Häuschen auch Paillottes genannt, sind zu bescheidenen Massivbauten geworden (Rue Pierre Loti, Ruelle St Marie...).
So bleiben die Ursprünge von Valras sehr gegenwärtig im Herzen eines Jeden.
Die Entwicklung von Valras ergab sich auch aufgrund der Urlauber und der Sommerfrische des Ortes.
Im architektonischen Stil der Stationen der Normandie oder der baskischen Küste, finden wir hier das Gebäude des Hotels „Le Chalet“, oder die Villa in der Rue Vincent Scotto. In etwas bescheidenerem Stil gab es die Villen in der Rue des Mûriers, deren Besitzer aus Béziers und seiner Umgebung stammten.
Das traditionelle Fest von St.Pierre
Das Fest von St. Pierre (Fischerfest im Volksmund) findet am letzten Wochenende im Monat Juni statt.
St. Pierre, der Schutzpatron der Fischer, war Fischer am See Tibériade, bevor er Christus getroffen hat. Dieser vertraute ihm die Mission an, der „Fischer der Menschen“ zu werden. In der Prozession mit der Statue von St. Pierre, getragen von Freiwilligen der S.N.S.M. und den Fischern, können wir sowohl die Gastlichkeit des Ereignisses sowohl als auch die Tradition selbst bewundern.
Währenddessen finden ein Aperitif und eine riesige Brasucade (gegrillte Miesmuscheln) statt. Nachmittags werden von zahlreichen Schiffen Blumengebinde ausgeworfen, zum Andenken an die im Meer verschollenen Seemänner.
Quellverzeichnisse:
Henry Caumes (Städtischer Abgeordneter), Lucien Molinier, Tomy Latorre, Patrick Toustou (Vorstand der S.N.S.M.), Maryvonne Lagarde, und das Buch „Valras-Plage“ gestern und heute“ von Yvette Maurin.
